Ostern in kathrins corner
08.04.2007, 12:59 Uhr
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick über die Auferstehung von Jesus Christus:
"Es war keine Rückkehr auf Zeit wie bei Elvis, Napoleon und Henry Maske."
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Am Anfang war das Wort
14.04.2006, 18:54 Uhr
Karfreitag. Der Heiland geht. Kathrins corner kommt.
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Wort zum Sonntag
23.04.2006, 20:48 Uhr
Nähere ich mich heute von hinten einem jungen Mann in der Tram und setze mich nichts ahnend neben ihn, tobt sofort ein Wortschwall über mir. Irgendwann erlöse Gott uns alle, sagt der Mann. Auch bei mir, da merke er ja sofort, dass ich eine besondere Verbindung zu Gott habe. Er redet dann viel von „Halleluja“ und Gott und tippt mit seinem Finger auf eine Seite seiner Bibel in seinem Schoß. Man könne bestimmt denken, er sei betrunken, sagt der Mann, aber dabei sei er doch nur wegen seines Glaubens an Gott trunken vor Glück. Er ist wirklich nicht betrunken, der junge Mann in seinem hellbraunen Anzug, der meine Augen durchpflügt, um auf den Grund meiner Seele zu gelangen. Bald könnten wir alle unsere Fesseln ablegen, sagt er. Früher, da sei doch was bei mir vorgefallen, ist er sich sicher. Er wünsche mir viel Glück bei meinem Studium, sagt er, und dann: Du studierst doch, oder? Ich: nee. Naja, aber Du studierst ja sicher das Leben, sagt er. Dann, an der Zionskirche, steigt er aus. Er wolle für mich beten, verabschiedet er sich.
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Eine Pfingstgeschichte
26.05.2006, 15:22 Uhr
Es ist schon eine Weile her, da lebte ich in einem anderen Stadtteil von Berlin. Das Viertel war eher gutbürgerlich, aber eigentlich ist das völlig unwichtig. Die Geschichte hätte in jedem anderen Stadtteil stattfinden können. Es war die Zeit um Pfingsten, und die Geschichte trug sich wirklich so zu:
Wenn ich aus meinem Fenster nach rechts sah, konnte ich direkt in die Wohnung meiner Nachbarin aus dem Seitenflügel blicken. Dort wohnte die etwa 40-jährige Frau T. mit ihrer Tochter. Der Vater lebte in wasweißich. Beide waren ziemlich unauffällig, und obwohl ich – wenn wir beide unsere Fenster offen hatten – einen Großteil der Unterhaltungen mithören konnte, so war das alles eigentlich nicht erwähnenswert, weil es banaler nicht hätte sein können. An einem Sonntag Nachmittag bekam die Frau Besuch. Es waren drei oder vier Frauen, die kamen, und bald machten sie an dem sonnigen Nachmittag Musik. Zur Gitarre sangen sie Lieder, in denen ziemlich häufig die Worte „Gott“ und „Jesus“ auftauchten. Kirchenlieder waren nun eigentlich noch nie meine Sache. Früher ging ich ab und zu in den CVJM, aber eigentlich nur, weil dort auch einige andere Freunde aus meiner Klasse waren und wir keine andere Jugendgruppe in unserem Ort hatten. Meist spielten wir etwas, manchmal kochten wir, aber eigentlich immer sangen wir zum Schluss. Das war immer der schrecklichste Teil des Nachmittags, weil die Lieder vom Sterben handelten und so traurig waren. Ich, die sehr an meiner Oma hing, konnte die Vorstellung vom Tod nur schwer ertragen.
Gut, dachte ich mir trotzdem, in seiner eigenen Wohnung kann ja eigentlich jeder machen, was er will. Während ich also gerade meine Hans-Küng-Gesamtausgabe neu sortierte, drehte ich Madonnas „Like a prayer“ ein bisschen lauter und schob mir ein extra großes Stück Schwarzwälder Kirsch in den Mund.
Ein paar Wochen später bekam Frau T. wieder Besuch. Es war wieder Sonntag, und diesmal kamen neben den drei oder vier Frauen auch ein Mann. Frau T. und ich hatten unsere Fenster beide offen und so war ich wieder live dabei. Nachdem viel Dampf geplaudert wurde, schritt man wieder zur Tat, genauer zur Gitarre. Nach diversen Kirchenliedern kam bald ein mantraähnlicher Singsang aus der Wohnung. Es war vor allem Frau T., sozusagen die Ober-Schamanin, die zu dem Murmeln der anderen Teilnehmer ziemlich oft die Worte „Im Namen Jesus'“ sagte. Im Zentrum der Session stand eine Frau, die offenbar von irgendetwas geheilt werden sollte. Ihr Name war Eveline. Die Zeremonienmeisterin redete immer wieder mit den gleichen Worten auf Eveline ein: „Und jetzt schneiden wir alle Ängste von der Eveline ab, im Namen Jesus', alle Hemmungen, aller Ärger, aller Zorn fällt jetzt ab von der Eveline, im Namen Jesus'.“ Gut, dachte ich mir wieder, seine Religion kann man in diesem Land ja eigentlich frei ausleben.
Sehr bald änderte sich die Stimmung, und nun trat auch der Mann in Erscheinung. Er war Amerikaner, sprach aber ziemlich gut Deutsch. Der Singsang und das Gemurmel ging noch eine Weile weiter und wurde bald von einem anderen Geräusch ergänzt: Dem Erbrechen. Es war immer noch Eveline, die im Zentrum des Interesses stand. Doch nicht nur sie, sondern auch die anderen Frauen erbrachen sich nun. Regelmäßiges Würgen kam aus der Wohnung, im Hintergrund lief irgendwelches anderes Gedudel und Geklingel, dazwischen die Stimme des Mannes und die der Zeremonienmeisterin („Im Namen Jesus“) und die arme Eveline kotzte sich im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal aus.
In diesem Moment bekam ich wirklich Angst. Die Vorstellung, dass auf der anderen Seite der Wand unheimliche Dinge vorgingen, dass Menschen die Kontrolle über sich selbst verlieren sollten und dass das alles mit religiösem strong tobacco gerechtfertigt sein sollte, war mir unangenehm. Vor allem sorgte ich mich um die arme Eveline, die möglicherweise völlig aufgelöst aus dieser Session herauskommen sollte und gar nicht wusste, was mit ihr geschah. Es soll sich hier angeblich um die Bewegung der Pfingstler gehandelt haben, wie ich später erfuhr, aber das machte die Vorstellung, dass sich in der Nachbarwohnung Menschen bewusst im Kollektiv erbrechen, auch nicht schöner. Das alles dauerte eine Dreiviertelstunde. Ich hatte in der Zwischenzeit bereits das Fenster geschlossen, doch ich konnte immer noch hören, was in der Wohnung geschah. Nachdem sich alle ausgekotzt hatten, war die Stimmung sehr gelöst. Man lachte, redete mit einem freudigen Gurren in der Stimme, man war entspannt. Man beschloss, noch etwas zu unternehmen, noch rauszugehen. Vielleicht gingen sie noch Pizza essen, ich weiß es nicht.
Weil mir dieses Erlebnis auch die folgenden Tage nicht aus dem Kopf ging, überlegte ich, ob ich nicht an der Tür der Frau T. klingeln sollte. Ich würde freundlich sein und sie höflich bitten, ob es nicht eventuell möglich wäre, die Sitzungen an einem anderen Ort durchzuführen, in einem Vereinsheim oder einer anderen Wohnung, das müsse doch möglich sein, es wäre wirklich unangenehm für mich, das mitzuerleben, das ist nett, danke. Ich wälzte den Gedanken einige Tage in meinem Kopf herum, war aber dann doch zu feige, um zu Frau T. zu gehen. Streit mit meinen Nachbarn ist einfach nicht mein Ding.
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