kathrins corner

Keine Fingerabdrücke aus dem Corner

10.11.2007, 09:08 Uhr

Gestern meinen neuen Reisepass abgeholt. Ich hatte ihn zwar auch deshalb noch vor dem 1. November beantragt, um ihn nicht in letzter Minute vor meiner nächsten Reise abholen zu müssen. Doch ein entscheidender Grund für den Zeitpunkt meines rechtzeitigen Antrags war auch, dass ich meine Fingerabdrücke noch für einige Jahre der Speicherung durch eine Behörde entziehen wollte. Das biometrisch-korrekte, digitale Foto ist schon schlimm genug - und sieht auch dementsprechend aus.

"Der Rübezahl von Bremen"

06.09.2007, 19:52 Uhr

Um es kurz zu machen: Dieses Blog wird von einer Person geschrieben, die sich Murat Kurnaz nennt. Dabei handelt es sich aber nicht - wie Stefan Niggemeier herausgefunden hat - um den in Bremen geborenen und aufgewachsenen Türken, der von Januar 2002 bis August 2006 auf der US-amerikanischen Militärbasis Guantánamo-Bucht festgehalten wurde. Das Blog "Politically Incorrect", das, äh, wie sagt es selbst, "News gegen den Mainstream" bietet, verweist gleich auf das Blog und behauptet, dass es von dem realen, "echten" Murat Kurnaz geschrieben wird.

Daraufhin startet eine rege und nicht unberechtigte Diskussion in den Kommentaren: Die Leser fragen sich, ob das Blog nicht möglicherweise ein Fake ist. Schlimm sind jedoch die meisten anderen Kommentare über Kurnaz' Geschichte: rassistisch, zynisch, hämisch, beleidigend und voller Unverständnis darüber, dass Deutschland "für so einen" überhaupt zuständig ist - vor allem, wenn man so einen Bart trägt.

+++ "Spielt der nicht auch bei Herr der Ringe mit?" (2.) +++ "Ich dachte, er sei nun Innensenator von Bremen!" (4.) +++ "da können einem schon die Tränen kommen..." (5.) +++ "Und in Guantamamo hatte er ja genug Zeit darüber nachzudenken, wen er für sein verhindertes Islamistendasein verantwortlich machen kann" (5.) +++ "Na ja, irgendwie sieht dieser Murat Kurnaz nicht so aus, als ob es ihm besonders schlecht gehen würde. Aber mit Arbeiten haben es diese ehrenwerten Herren ja alle nicht so besonders" (9.) +++ "Auf dem Bild sieht er aus wie die Unschuld vom Lande" (10.) +++ "Na besten dank, der Mann liegt uns dann also eine ewigkeit auf der Tasche…Und wohl nicht nur der: Importbraut, zwölf Kinder usw… Was haben wir eigentlich mit ihm zu tun? Er hat nicht die deutsche Staatsbürgerschaft und wollte in Pakistan eine Koranschule besuchen- sein Bier. Er wurde nach Guantanamo gebracht: nicht unser Bier,denn selbst wenn er unschuldig gewesen sein sollte: Deutschland kann nicht für alle Justizirrtümer dieser welt geradestehen!" (18.) +++ "Der Typ sieht so ungepflegt aus, als ob sein Bart und die Mähne die Brutstätte aller Kopf-u. Filzläuse der Welt sind!" (20.) +++ "Der hat einen Hauptschulabschluss und kann auf gar gar garkeinen fall so gutes deutsch sprechen und schon gar nicht schreiben…" (44.) +++ "Der soll arbeiten gehen!" (26.) +++ "Wurde im Islam noch kein Rasierer erfunden?" (28.) +++ "Der Rübezahl von Bremen" (74.) +++ ...

... die anderen Kommentare, die ich auch noch zitieren könnte, lasse ich lieber dort stehen: Ich will nicht, dass man mir die Verbreitung von Beleidigungen oder Rassismus vorwirft. Ich will hier auch nicht lange über die Details des Falls Murat Kurnaz schreiben, nur soviel: Das "Bildblog" hat sich bereits mehrmals mit der emotionalisierten Berichterstattung der "Bild"-Zeitung im Fall Kurnaz auseinandergesetzt, und in der "Süddeutschen Zeitung" ist im Januar ein Artikel erschienen, der erklärt, dass Kurnaz schon 2002 nach Meinung der Justiz unschuldig war; hier noch ein SZ-Artikel über die Pannen bei seiner Freilassung.

Ach ja, Kurnaz will gegen das angeblich von ihm geschriebene Blog vorgehen. Ist ja auch klar, dass so jemand keinen Humor haben kann (96.).

Im Gefaengnis sterben

06.08.2007, 13:23 Uhr

Hier ein sehr beeindruckender Artikel aus dem "Guardian" ueber fuenf Amerikaner, die als Kind zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden sind. Sie alle haben keine Chance auf eine vorzeitige Entlassung und werden ihr ganzes Leben im Gefaengnis verbringen und auch dort sterben.

Sarkozy fast außer Kontrolle

14.06.2007, 09:15 Uhr

Na, das fängt ja gut an: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy war nach seinem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin beim G8-Gipfel in Heiligendamm ein bisschen beschwipst.

[ via ]

Oh-oh: Streitfall Handtasche

29.05.2007, 16:18 Uhr

„Ich habe bemerkt, dass Tinky Winky eine Handtasche trägt, aber mir war nicht bewusst, dass er ein Junge ist.“

Ewa Sowinska, polnische Sprecherin für Kinderrechte über ihre Sorge, dass Teletubbie Tinky Winky mit seiner Handtasche einen "homosexuellen Zusammenhang" herstellen könne.

[ via ] und [ via ]

Doppelmoral mit "Bild"

24.05.2007, 11:39 Uhr

"Verboten sind natürlich pornografische Aufnahmen!"

(Die "Bild"-Zeitung über erotische Fotos von Hana Nitsche, einer Finalistin von "Germany's Next Topmodel".)

Aber ja, es wurde schon viel geschrieben über die Doppelmoral der "Bild"-Zeitung, über Papst-Promotion ("Mit über zwölf Millionen Lesern täglich ist uns auch die Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft ein ernstes Angliegen") neben Telefonsex-Kontakten, über fahrlässigen Empörungs-Journalismus ( "Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?" - die "Bild" über das Entführungsopfer Khaled al-Masri) neben zotigen "Enthüllungs"-Berichten ("Katharina (29) weinte gestern vor Gericht - So hat Türck mich vergewaltigt") - aber ich wollt's nur noch mal gesagt haben.

Der Rattenfänger von der Schönhauser

23.06.2006, 09:15 Uhr

Gestern in der U-Bahn im Prenzlauer Berg (vermutlich auch bald No-Go-Area): An der Tür steht ein kleiner Junge, aus dessen Schulranzen eine selbstgebastelte Fahne ragt. Sie ist kunterbunt und steht für kein bestimmtes Land. Als die U-Bahn in den Bahnhof Schönhauser Allee einfährt, steht ein Mann auf. Sein Kopf ist kahlrasiert, und er trägt einen Blaumann, vermutlich ist er Handwerker oder Elektriker. Er geht zur Tür und als er die Fahne des Jungen sieht, beugt er sich zu ihm herunter und sagt leise zu ihm: "Schade, dass du keine Reichskriegsflagge an den Ranzen gesteckt hast."

"Sorry" an die "Inder da draußen"

21.01.2007, 11:35 Uhr

"Falls ich irgendwelche Inder da draußen beleidigt haben sollte, dann entschuldige ich mich."

Jade Goody, Teilnehmerin der TV-Show "Celebrity Big Brother" in Großbritannien, zitiert nach "Süddeutsche Zeitung" vom 20./21. Januar 2007

Die britische Zahnarzthelferin Goody hatte sich über die indische Teilnehmerin der Container-Show, die Bollywood-Schauspielerin Shilpa Shetty, lustig gemacht. Goody und andere Mitbewohner hatten unter anderem Shettys indischen Akzent nachgemacht, sie als unsauber beschimpft und behauptet, Inder seien deshalb so dünn, da sie nicht gut kochen könnten. Bei dem britischen TV-Kontrollgremium hatten sich daraufhin zehntausende Zuschauer beschwert.

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