kathrins corner

Die Pflicht einer Bürgerjournalistin

16.04.2008, 00:35 Uhr

Der Bürgerjournalismus steckt ja - bis auf ein paar Ausnahmen - vielerorts noch in den Kinderschuhen, wie man so schön sagt. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass so manchem Redakteur vor Schreck die Finger über der Tastatur erstarren, wenn er hört, dass es da draußen Leute gibt, die plötzlich den Anspruch erheben, genauso gute und relevante Nachrichten, Kommentare und Reportagen schreiben und veröffentlichen zu wollen wie der Redakteur selbst. Man könnte meinen, der Bürgerjournalist sei zu unerfahren, zu unprofessionell, könne nicht schreiben und lasse sich vor allem nur von seinen eigenen Interessen leiten. Heute las ich aber in meiner Lieblingszeitung, dem "Guardian", dass Bürgerjournalisten sehr wohl objektiv berichten können - selbst dann, wenn dies den eigenen Interessen widerspricht.

Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat ja mit seinen jüngsten Äußerungen über "verbitterte" Menschen in strukturschwachen Regionen einigen Ärger auf sich gezogen. Das linksliberale, alternative US-Polit-Weblog "Huffington Post" hatte die brisante Rede Obamas dokumentiert, die er vor reichen Spendern in San Fransisco gehalten hatte.

Am Montag berichtete nun der ebenfalls linksliberale, britische "Guardian", wie diese Geschichte in der "Huffington Post" entstanden war: Die Autorin des Artikels, Mayhill Fowler, war nur deshalb zu der Veranstaltung mit Obama eingeladen worden, weil sie zuvor großzügig für ihn gespendet hatte - Journalisten waren nämlich von der Veranstaltung ausgeschlossen. Offiziell galt sie somit als eine Unterstützerin Obamas. Fowler, eine 61-jährige kalifornische Hausfrau, nahm dessen Rede zwar dann in San Francisco auf, doch das brisante Material lag daraufhin noch tagelang bei ihr zu Hause herum: Als offizielle Befürworterin Obamas wusste Fowler nicht, wie sie sich nun verhalten sollte. Fowler veröffentlichte ihren Artikel dann am 11. April - fünf Tage, nachdem Obama seine Rede gehalten hatte. "Als eine Unterstützerin Barack Obamas hatte sie sehr große Bedenken wegen der Geschichte", sagte Amanda Michel, die Chefin des Online-Projekts "Off the bus", dem "Guardian". "Aber sie dachte, dass sie als Bürgerjournalistin die Pflicht hat, über das Ereignis zu berichten - trotz ihrer Unterstützung für Barack Obama."

Medien im Wandel

08.04.2008, 19:53 Uhr

Da sage noch mal einer, dass das junge Gemüse von heute auf Youtube nur schräge Heimvideos guckt und sich auf Facebook nur gegenseitig die FluffFriends streichelt:

"According to interviews and recent surveys, younger voters tend to be not just consumers of news and current events but conduits as well - sending out e-mailed links and videos to friends and their social networks. And in turn, they rely on friends and online connections for news to come to them. In essence, they are replacing the professional filter - reading The Washington Post, clicking on CNN.com - with a social one. "There are lots of times where I'll read an interesting story online and send the U.R.L. to 10 friends", said Lauren Wolfe, 25, the president of College Democrats of America [...]. "I'd rather read an e-mail from a friend with an attached story than search through a newspaper to find the story."

In one sense, this social filter is simply a technological version of the oldest tool in politics: word of mouth. Jane Buckingham, the founder of the Intelligence Group, a market research company, said the “social media generation” was comfortable being in constant communication with others, so recommendations from friends or text messages from a campaign — information that is shared, but not sought — were perceived as natural. Ms. Buckingham recalled conducting a focus group where one of her subjects, a college student, said, “If the news is that important, it will find me.”

[...]

Young people also identify online discussions with friends and videos as important sources of election information. The habits suggest that younger readers find themselves going straight to the source, bypassing the context and analysis that seasoned journalists provide." (New York Times, 27.03.2008)

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"A new generation of cameras so small they can be hidden in eyeglass frames or a hat — together with the rise of YouTube and the growing appeal of so-called citizen journalism — has done for animal rights advocates what the best-organized protest could not. Perhaps more than other social agitators, people concerned about animals raised for food have discovered that downloadable video can be the most potent weapon in their arsenal." (New York Times, 12.03.2008)

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"There are many humdrum newspaper jobs. The age of the subeditor is going to disappear - we are coming to the end of the road. [...] The humdrum tasks are not necessary. We will make every journalist a creative, a publishing star in their own right. [...] We have to trade more effectively. I see us as a content company, a consumer company. The trust we have with our readers can be translated into other commercial activity with our audience. One day I hope our company will no longer own its own printing machines… We would still print newspapers but it would be on third party presses."

David Montgomery, Chef der britischen Mecom-Gruppe und Ex-(Chef-)Redakteur diverser Zeitungen

Gegen "durchgeknalltes Gesindel"

01.12.2007, 12:37 Uhr

"Wir stehen zu unserer Darstellung. Wir werden unsere Berichterstattung nicht weichspülen - so wenig wie bei Hasspredigern, Nazis oder sonstigem durchgeknallten Gesindel."

So reagierte die "Bild"-Zeitung auf eine öffentlich ausgesprochene Rüge des Presserats, die sich auf einen Bericht der Zeitung vom 19. Mai 2007 bezog. (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30.11.2007)

Die "Bild" hatte an dem Tag unter der Schlagzeile "Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?" einen Bericht über den Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri veröffentlicht. Dieser wurde 2004 von der CIA nach Afghanistan verschleppt, dort monatelang festgehalten und vermutlich auch misshandelt.

Die "Bild" hatte el-Masri in dem Bericht als "durchgeknallten Schläger", "Querulanten" und "irren Deutsch-Libanesen" bezeichnet. "Monatelang terrorisierte der Islamist als angebliches CIA-Folteropfer die Bundesregierung, Parlament und Öffentlichkeit!", schrieb die "Bild". Derzeit, so die Zeitung im Mai, warte man auf "sein Gutachten, ob er schuldfähig ist - oder einfach nur irre". Mehr dazu hier und hier .

Bauern-Content IV

30.11.2007, 16:14 Uhr

Da die Besucherzahlen hier im Corner nach einer weiteren Folge von "Bauer sucht Frau" immer schlagartig in die Höhe schießen, und danach genauso schlagartig wieder einbrechen, kommt hier eine Meldung in eigener Sache - und natürlich auch für alle Fans der Doku-Soap:

Bauer Bernhard, der "raubeinige Rinderwirt", hat uns alle veräppelt.

Nachtrag 01.12.2007: Angeblich ist alles noch viel schlimmer.

Bei RTL now kann man sich übrigens die alten Folgen von "Bauer sucht Frau" und viele andere RTL-Serien ansehen - und das alles ohne Werbung und gratis. Da ist sie, die vielbeschworene aber selten eingehaltene Offenheit der TV-Anstalten. Was für ein Service!

Landliebe

06.11.2007, 21:48 Uhr

Ich muss ja zugeben, dass ich die Doku-Soap "Bauer sucht Frau" auf RTL gerne gucke. Klar, die Männer suchen letztendlich alle eine unbezahlte Arbeitskraft, die auf ihrem Hof mit anpackt. Aber die kauzigen Bauern sind in ihrer unbedarften Normalität erschreckend skurril bis exotisch - und das alles gibt es in unserer Parallelwelt: der deutschen Provinz. Dass das Leben auf dem Bauernhof hart und keinesfalls so romantisch ist, wie sich das viele der teilnehmenden Damen aus der Stadt gewünscht haben, ist mir natürlich auch durch meine Herkunft sehr vertraut.

Sehr süß: Bauer Bruno, der so liebevoll über seine Anja spricht. Macht mir eher Angst: Bernhard . Bester Satz vom Montag: "Normalerweise koche ich keinen Kaffee" - vom Mann mit dem eher hölzernen Charme, Jürgen.

Nachtrag 21.11.2007: Inzwischen haben auch schon andere Medien darüber geschrieben, so hier und hier.

"Der Rübezahl von Bremen"

06.09.2007, 19:52 Uhr

Um es kurz zu machen: Dieses Blog wird von einer Person geschrieben, die sich Murat Kurnaz nennt. Dabei handelt es sich aber nicht - wie Stefan Niggemeier herausgefunden hat - um den in Bremen geborenen und aufgewachsenen Türken, der von Januar 2002 bis August 2006 auf der US-amerikanischen Militärbasis Guantánamo-Bucht festgehalten wurde. Das Blog "Politically Incorrect", das, äh, wie sagt es selbst, "News gegen den Mainstream" bietet, verweist gleich auf das Blog und behauptet, dass es von dem realen, "echten" Murat Kurnaz geschrieben wird.

Daraufhin startet eine rege und nicht unberechtigte Diskussion in den Kommentaren: Die Leser fragen sich, ob das Blog nicht möglicherweise ein Fake ist. Schlimm sind jedoch die meisten anderen Kommentare über Kurnaz' Geschichte: rassistisch, zynisch, hämisch, beleidigend und voller Unverständnis darüber, dass Deutschland "für so einen" überhaupt zuständig ist - vor allem, wenn man so einen Bart trägt.

+++ "Spielt der nicht auch bei Herr der Ringe mit?" (2.) +++ "Ich dachte, er sei nun Innensenator von Bremen!" (4.) +++ "da können einem schon die Tränen kommen..." (5.) +++ "Und in Guantamamo hatte er ja genug Zeit darüber nachzudenken, wen er für sein verhindertes Islamistendasein verantwortlich machen kann" (5.) +++ "Na ja, irgendwie sieht dieser Murat Kurnaz nicht so aus, als ob es ihm besonders schlecht gehen würde. Aber mit Arbeiten haben es diese ehrenwerten Herren ja alle nicht so besonders" (9.) +++ "Auf dem Bild sieht er aus wie die Unschuld vom Lande" (10.) +++ "Na besten dank, der Mann liegt uns dann also eine ewigkeit auf der Tasche…Und wohl nicht nur der: Importbraut, zwölf Kinder usw… Was haben wir eigentlich mit ihm zu tun? Er hat nicht die deutsche Staatsbürgerschaft und wollte in Pakistan eine Koranschule besuchen- sein Bier. Er wurde nach Guantanamo gebracht: nicht unser Bier,denn selbst wenn er unschuldig gewesen sein sollte: Deutschland kann nicht für alle Justizirrtümer dieser welt geradestehen!" (18.) +++ "Der Typ sieht so ungepflegt aus, als ob sein Bart und die Mähne die Brutstätte aller Kopf-u. Filzläuse der Welt sind!" (20.) +++ "Der hat einen Hauptschulabschluss und kann auf gar gar garkeinen fall so gutes deutsch sprechen und schon gar nicht schreiben…" (44.) +++ "Der soll arbeiten gehen!" (26.) +++ "Wurde im Islam noch kein Rasierer erfunden?" (28.) +++ "Der Rübezahl von Bremen" (74.) +++ ...

... die anderen Kommentare, die ich auch noch zitieren könnte, lasse ich lieber dort stehen: Ich will nicht, dass man mir die Verbreitung von Beleidigungen oder Rassismus vorwirft. Ich will hier auch nicht lange über die Details des Falls Murat Kurnaz schreiben, nur soviel: Das "Bildblog" hat sich bereits mehrmals mit der emotionalisierten Berichterstattung der "Bild"-Zeitung im Fall Kurnaz auseinandergesetzt, und in der "Süddeutschen Zeitung" ist im Januar ein Artikel erschienen, der erklärt, dass Kurnaz schon 2002 nach Meinung der Justiz unschuldig war; hier noch ein SZ-Artikel über die Pannen bei seiner Freilassung.

Ach ja, Kurnaz will gegen das angeblich von ihm geschriebene Blog vorgehen. Ist ja auch klar, dass so jemand keinen Humor haben kann (96.).

Sie trägt schon Größe 38!

29.08.2007, 22:19 Uhr

Klar, heute kommt wohl keine Frauenzeitschrift ohne Diättipps aus. Mir scheint aber, als ob in Großbritannien der Schlankheitswahn noch ein wenig ausgeprägter ist - obwohl, vielleicht auch gerade weil in Großbritannien die meisten fettleibigen Frauen Europas leben. Mein Lieblingsmagazin Closer ist ganz vorne mit dabei: Mit "Closer Diet" hat die Zeitschrift eine eigene Diät-Seite, und auch in dem Magazin selbst geht es viel ums Abnehmen: Wieviel hat eine Frau abgenommen, wieviel hat sie vorher gewogen, wieviel wiegt sie jetzt, und dazwischen noch ein paar Alibi-Artikel, dass "Size Zero" (US-Größe, im UK: Größe 4) ja gar nicht geht und Frauen, die diese Größe tragen, vor unseren Augen verschwinden. "Closer" ist nicht das anspruchsvollste Magazin: Kostet einen Pfund, ist schnell gelesen - und vielleicht gerade deshalb so interessant. Hier die besten Schlagzeilen und Themen aus einigen Sommer-Ausgaben:

+++ "Coleen ist stolz auf ihre Kurven" +++ "Mels Kampf, Baby-Pfunde loszuwerden: Der Star treibt sich durch ein zermürbendes Training-Regiment, um ihre Baby-Pfunde zu vertreiben" +++ "Geris letzter Versuch, "skinny Spice" zu werden: Da sich die Spice Girls auf ihr Mega-Comeback vorbereiten, trainiert Geri Halliwell extra hart" +++ "Kerry verändert ihren Schlabberbauch ("jelly belly"): Der Star trägt jetzt Größe 12 (in Deutschland: 38), nachdem sie trainiert hat und Pommes gegen Karotten-Sticks eingetauscht hat" +++ "Posh in der Akne-Krise: Victorias stressiges neues Leben hat alte Hautprobleme wiederbelebt" +++ "Cindy (Crawford), 41: Ich sehe jetzt besser aus als in meinen Zwanzigern, aber ich esse noch immer Pizza: Cindys Trainer enthüllt die Diät- und Fitness-Geheimnisse, die die Mutter zweier Kinder Bikini-schön hält" +++ "Die Fett-Ängste der werdenden Mutter Nicole (Richie): Der Star steht vor einer Gefängnisstrafe - aber ihre größte Angst ist, Baby-Pfunde zuzulegen" +++

Über Blogs. Eine Verteidigungsschrift

13.08.2007, 23:01 Uhr

Ich kann sie nicht mehr lesen, diese ewigen Berichte darüber, dass Weblogs in Deutschland angeblich nicht wichtig sind. Stefan Niggemeier hat sich den jüngsten Nörgler vorgenommen: Johannes Boie, der in der SZ unter der Überschrift "Im Netz nichts Neues: Deutsche Weblogs bewegen weniger, als man denkt" die deutsche Blogosphäre abwatscht. Versprochen wird ein "Einblick in geschlossene Gesellschaften und irrelevantes Geschwätz, das niemand liest".

Noch immer werden Blogs ein wenig abfällig als "privat geführte Tagebücher" im Internet bezeichnet. Das ist - übers Knie gebrochen - der kleinste gemeinsame Nenner von Weblogs. Mein Blog ist wie eine Zeitschrift, in der ich meine eigene Chefredakteurin bin. Ich kann von meinen Geheimnissen erzählen, ich kann über meine jüngste Reise schreiben, einen Film verreißen, über Internetpolitik schreiben oder mich über ärgerliche Berichte in den Medien auslassen. Ich kann Überschriften wählen, wie sie keine Zeitung drucken würde, ich kann Geschichten veröffentlichen, ohne einen Verleger suchen zu müssen, und ich alleine bestimme, wie lang meine Texte sind. Mit ein paar einfachen Klicks kann ich ratzfatz bei einem Blog-Anbieter mein eigenes Blog eröffnen - völlig egal, ob ich in Berlin, New York, Rüsselsheim oder irgendwo in Südafrika lebe. In China mag sich die Lage schwieriger darstellen.

Ein Blog ist eine feines Gerät, um Hallo zu sagen. Hallo Welt, hier bin ich und das habe ich zu sagen - und wer mag, kann gerne mitlesen. Blogs sind demokratische Medien: Sie fördern eine stärkere Sichtbarkeit dessen, was auf der Welt passiert, und wenn sie sehr gut sind, schauen sie sogar den Mächtigen auf die Finger. Unter dem Pseudonym "Salam Pax" berichtete im Jahr 2003 ein damals 29-jähriger irakischer Architekt unzensiert über die US-Invasion in den Irak. Die Einträge seines Blogs wurden inzwischen als Buch veröffentlicht und auch der britische "Guardian" beschäftigt den Blogger regelmäßig.

Auch der US-Soldat Colby Buzzell berichtete über seine Erfahrungen zur Zeit nach der US-Invasion in den Irak. Auf Anweisung des Pentagon musste er zunächst einige US-kritische Postings löschen. Auch seine Blog-Einträge wurden als Buch veröffentlicht. In dem SZ-Artikel heißt es, dass sich die Medienlandschaft in den USA stark von der in Deutschland unterscheidet und dass in den USA ein stärkeres Interesse an ungefilterten Nachrichten bestehe. Aber auch Deutschland hat seine Aufdecker: 2004 hat Spreeblick dem Klingeltonanbieter Jamba gehörig auf die Finger geklopft .

Die Nörgler fragen nun: "Und der ganze Katzen-Content, was hat der im Internetz zu suchen? Das will doch keiner lesen!" Natürlich, auch ich habe schon manches Blog nur einmal überflogen und dann nie wieder. Warum? Ganz einfach: Es entsprach nicht meinem Geschmack, es interessierte mich nicht. Natürlich ist nicht jedes Blog gleich "gut" und nicht jedes Blog hat tausende Leser. Aber das muss auch nicht sein, da es beim Bloggen meiner Meinung nach um etwas anderes geht: So "irrelevant" das jeweilige Blog für "die Gesellschaft" sein mag, so wichtig ist es für den Einzelnen.

Ich habe schon Blogs gelesen, in denen Teenager von ihren Partys erzählten, oder in denen jemand einen gaaaanz tiefen Einblick in sein Gefühlsleben gab, und ich habe auch Blogs gesehen, in denen Herrchen und Frauchen Fotos ihrer Katzen gepostet haben. Mich muss nicht jedes Blog interessieren, aber jedes Blog hat ein paar Leser, die es interessiert. Manche halten so zu Freunden Kontakt, andere haben ganz einfach Spaß an der Kommunikation und am Erzählen. Vielleicht wird kein Cat-Blog jemals in die Deutschen Blogcharts einsteigen. Mag sein. Entscheidend ist jedoch etwas anderes: Diese Schreiber haben begriffen, was Öffentlichkeit heißt. Sie wollen mitmachen beim Erzählen. Sie haben das Medium verstanden.

Bei Madame Modeste lese ich wunderbar erzählte Geschichten, bei Moni erfahre ich so viel über das Leben mit einem Autisten, wie ich es in meinem Alltag nie erleben würde, London Leben berichtet vom Leben in einer aufregenden Stadt und bei Stefan Niggemeier kann ich nachlesen, wie es in Anrufsendungen zugeht.

Egal, welches Blog man am liebsten liest: Das alles gibt es für umme, für lau, das alles ist gratis, kostet nix. Das einzige, was ich zum Lesen und Schreiben benötige, ist ein Computer und ein Internetanschluss oder ein bisschen Geld für den Gang in eine Bibliothek oder ein Internetcafé. Ich kann sie irgendwie verstehen, die ewigen Nörgler: Man kann ein erfolgreiches, gern gelesenes Blog betreiben, ohne viel Geld investieren zu müssen, ohne eine lange Ausbildung gemacht zu haben, ohne einen finanzstarken Verlag zu haben und ohne auch nur irgendjemanden um auch nur irgendeine Erlaubnis bitten zu müssen.

Es mag sein, dass sich Weblogs in Deutschland noch nicht so etabliert haben wie in anderen Teilen der Erde. Aber sage noch einer, dass Blogs in Deutschland keine gesellschaftliche Relevanz hätten.

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