Can I help you?
12.04.2008, 13:38 Uhr
Ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie hilfsbereit die Londoner sind:
Auf dem Bürgersteig läuft vor mir eine ältere Dame, die mit ihrem zerknautschten Regenschirm gegen Wind und Regen kämpft. Ein junger Mann in Mantel, Anzug und Krawatte will sie überholen, bleibt aber kurz stehen, richtet ihr den Schirm und geht gleich wieder weiter. Die alte Dame bedankt sich lachend, er dreht sich noch einmal kurz um und winkt.
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Ich muss zu einem wichtigen Termin, finde aber die Firma nicht. Da mir niemand weiterhelfen kann, klingele ich an der Eingangstür eines anderen Bürokomplexes. Auch der Pförtner kennt sich in der Gegend nicht aus. Ein Mitarbeiter winkt mich jedoch ins Großraumbüro, führt mich an zig Schreibtischen vorbei zu seinem Computer, geht ins Internet und sucht das entsprechende Haus. Zum Schluss fragt er noch, ob er den Straßenplan ausdrucken soll. Der Mann hat mir den Tag gerettet.
+++
Der Bus schafft die Kurve nicht. Wegen eines quer stehenden Autos würde er mit dem Seitenspiegel eine Telefonzelle rammen. Da nähert sich ein Passant dem Bus und dreht kurzerhand den Seitenspiegel nach innen, so dass der Bus vorbeifahren kann. Ein paar Meter weiter, an der Bushaltestelle, läuft der Passant an dem Bus vorbei: „Thanks, mate!“, ruft der Busfahrer dem Mann zu, der dem Fahrer durch die geöffnete Tür mit einem Lächeln zuwinkt.
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Alle Fahrgäste sind eingestiegen, die Bustür ist bereits geschlossen. Der Busfahrer fährt aber noch nicht los, sondern erklärt mir mit einer Engelsgeduld, woran es liegen kann, dass meine Oyster-Card nicht funktioniert und der Betrag für das Busticket nicht abgebucht wird. Ich durfte dann mitfahren, ohne die Busfahrt bar zu bezahlen.
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Und ich fange jetzt nicht auch noch an aufzuzählen, wieviele Leute mir bei der Zimmersuche behilflich waren oder mir sonst irgendwelche Tipps gegeben haben.
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Afternoon tea
31.03.2008, 15:22 Uhr
Gestern war ich also zum ersten Mal bei einem typisch englischen Afternoon Tea. Shipp's Tearooms ist ein im Stil der Jahrhundertwende liebevoll eingerichtetes Café und befindet sich am Borough Market, nahe der London Bridge. Auf den Tischen liegen dicke Leinentischdecken, der Tee wird aus blumig-verschnörkelten Porzellantassen getrunken und an den Wänden hängen alte Spiegel - ein gemütliches Oma-Café wie aus alten Zeiten. Sogar Bob Geldof ließ es sich nicht nehmen, gleich am Tag der Eröffnung persönlich vorbeizuschauen.
Der englische Afternoon Tea besteht nicht nur aus einer Tasse oder einem Kännchen Tee mit Keksen oder Kuchen. Der Afternoon Tea ist eigentlich eine ganze Mahlzeit: Neben Tee gibt es reichlich Sandwiches, die mit Gurke, Lachs, Käse und Schinken belegt sind. Dazu gibt es Scones, die mit Sahne und Marmelade bestrichen werden und die - je nach Geschmack - mit oder ohne Rosinen bestellt werden können. Zum Abschluss gab es dann noch ein riesiges Stück Kuchen - in meinem Fall ein fruchtig-süßes Stück Victoria Sponge . Für 15 Pfund pro Person ist das eine feine Idee für einen gemütlichen Sonntag Nachmittag. Yummy.
Auch erschienen auf curso24.de
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Krimskrams (14) (London-Spezial)
22.01.2008, 23:20 Uhr
Neulich per Telefon einen Termin bei einer Bank gemacht, um ein Konto zu eröffnen: Ich habe nur die Hälfte des Gesprächs verstanden. +++ Der Schauspieler Sam Riley, Freund von Schauspielerin Alexandra Maria Lara, sagt über Berlin: "It's green, it's clean, and the Germans are nice people. They're much more similar to the English than we sometimes like to admit. In some ways it feels like Britain, though I'm struggling with the language a bit. But I love it." +++ Wie schaffen es die Britinnen bloß, bei dieser Kälte und bei diesem Regenwetter ohne Strümpfe aus dem Haus zu gehen? +++ "Herbert Grönemeyer (...) is like Germany's Bono or something." +++ Ich werde ganz bestimmt nicht zu den Leuten gehören, die zur Arbeit joggen, oder die nach der Arbeit mit einem Rucksack nach Hause joggen. +++ Was ich auch nicht machen werde: mich in der U-Bahn zu schminken. +++ Weil die Fahrt mit der U-Bahn hier so lange dauert, fönen viele Frauen ihre Haare nicht, weil sie auf dem langen Weg alleine trocknen. +++ Das mache ich inzwischen auch. +++ Aus einem Formblatt zur Einreise nach Großbritannien: "What are your intensions for the future?" +++ Ich entwickele langsam ein Faible für Laura Ashley. +++ Mein Ex-Mitbewohner zu jemandem am Telefon: "You know, I have this German tenant, this German 'Jawollja' Christina or so." +++ In der Übersetzung hören sich Roland Kochs Worte sehr eigenartig an: "Koch's declaration that "we have too many criminal young foreigners", and that a "zero tolerance against violence" was key to foreign integration, were splashed across the media. He has subsequently threatened Germany's 15 million immigrants with "consequences" if they fail to "play the rules of the game" and adapt to a German way of life, criticising them for everything from failing to learn German to their "strange attitudes" towards the country's strict waste disposal laws, as well as the "odd" way Muslims slaughter animals "in their kitchens"." +++
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Being green
07.01.2008, 16:46 Uhr
Mit dem Umweltbewusstsein ist es bei den Briten glaube ich so eine Sache: Man bemüht sich zwar recht ordentlich mit Bio-Essen und Werbung für Jute-Taschen, aber überzeugend ist das alles nicht. Bei jeder Kleinigkeit, die man kauft, bekommt man unaufgefordert eine Plastiktüte, Obst und Gemüse ist abgepackt und mein Mitbewohner lässt das Licht in allen Räumen an - auch wenn er weggeht. Gut, manche Leute mögen es vielleicht einfach nicht, in eine dunkle Wohnung heimzukehren.
Was das Recycling angeht, hat er so seine eigene Methode: Plastik wird in eine Tüte geworfen, und Papier und Glas, "das, was recycelt werden kann", kommt in eine andere Tüte. Bio-Müll kommt in die Tüte mit dem Plastik-Kram - ich weiß nicht warum. Ich muss meinem Mitbewohner bestimmt als "totally green" erscheinen - kein Wunder, wenn auch der "Guardian" am Wochenende Angela Merkel an Position Nummer 5 der 100 Personen gewählt hat, die den Planeten noch retten können: "Wenn es Deutschland unter Angela Merkel nicht schafft, EU- und UN-Ziele zu erreichen, dann wird es Deutschland nie gelingen."
Was England aber auch bewegt: Das Drama um die süßen Mini-Knuts im Nürnberger Zoo.
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Entdecke den Vogel in Dir
25.11.2007, 23:59 Uhr
So, nachdem ich nun auch endlich hier im Corner Fotos veröffentlichen kann, soll noch etwas aus dem September nachgeholt werden. Diese Schau des 26-jährigen britischen Modedesigners Gareth Pugh war meiner Meinung nach die beste der diesjährigen Londoner Modewoche. Sehr exzentrisch, sehr schwarz, sehr viel Leder; nicht unbedingt tragbar, aber doch außergewöhnlich - vor allem das Model mit den Mäusen. Auch sehr sehenswert: Christopher Kane.
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Banksy, verzweifelt gesucht
15.08.2007, 18:29 Uhr
Der Brite Banksy ist - wie ich finde - mit seinen teils politischen Graffitis einer der coolsten Künstler dieser Zeit. Nur verhält es sich mit ihm ein wenig wie mit Thomas Pynchon - niemand weiß so recht, wer er ist, weil er sich nirgends offiziell blicken lässt.
Als ich neulich in einem Londoner Laden nahe King's Cross einen Siebdruck von Banksy kaufte, kam ich mit dem Verkäufer ins Gespräch und versuchte, etwas über Banksy herauszufinden. "He's black", sagte er. Ich wusste nicht, ob ich ihm glauben sollte. Ich solle es trotzdem nicht weitererzählen, sagte der Verkäufer.
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Schimmel am Pulli
04.08.2007, 13:56 Uhr
Es war eine ziemlich teure Gegend, in der sich M., der aus Kalkutta kam, eine Wohnung gemietet hatte. Seine Ein-Zimmer-Wohnung befand sich im Nordwesten Londons, nahe der Finchley Road. Rote Backsteinhaeuser reihten sich in den ruhigen Strassen aneinander, vor den Haeusern standen Autos der Luxus-Klasse, die Gaerten waren gepflegt und hinter den meisten Fenstern hingen weisse Gardinen; eine Gegend, die vor allem bei wohlhabenden Londonern mit Kindern beliebt war.
Die Wohnung sei in der Anzeige als "Luxus-Appartment" ausgeschrieben gewesen, erklaerte M.. Luxurioes war indes nur der Preis. Umgerechnet 300 Euro Miete zahlte M. pro Woche Miete, und Rechnungen, wie zum Beispiel fuer den Strom, waren damit noch nicht einmal abgeglichen.
Die Wohnung befand sich im Souterrain. Nur zwischen 11 Uhr morgens und 15 nachmittags kam genug Tageslicht in die Wohnung, dass man das Licht nicht anknipsen musste - und das auch nur im Sommer. M.s Wohnung war vor allem kalt: Durch den Fussboden zog es kalt herauf, und die Waesche, die wir gewaschen hatten, war auch nach drei Tagen noch nicht ganz trocken und begann bereits, schimmelig zu riechen. Die Kueche hatte kein Fenster, das Badezimmer nur ein kleines, aber zwei Abstellraeume gab es - immerhin. Fuer das viele Geld haette M. etwas besseres finden koennen, da waren wir anderen uns alle einig. Aber wie gesagt: eine "Luxus-Wohnung".
Ich wohnte nicht lange bei M.. Nach wenigen Tagen zog ich aus - ich hatte in der Zwischenzeit ein eigenes Zimmer gefunden. M. und ich haben uns seitdem aus den Augen verloren, doch das, was von M. noch eine Weile blieb, war der Geruch seiner Wohnung. Denn obwohl er in einem "Luxus"-Appartment wohnte, rochen meine Klamotten, die ich bei ihm gewaschen und getrocknet hatte, noch eine ganze Weile nach Schimmel.
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In Hackney leben
28.07.2007, 15:08 Uhr
Vorgestern hatten sich meine indische Mitbewohnerin und deren Mutter in der Kueche so heftig ueber den auf mysterioese Weise abhanden gekommenen Familienschmuck gestritten und angeschrien, dass sie die Kuechentuer abgeschlossen hatten, um nicht gestoert zu werden. Als ich gestern nach Hause kam, standen zwei britische Polizisten bei uns in der Haustuer. Es sei alles in Ordnung, sagte die indische Mutter. Ich habe keine weiteren Fragen gestellt.
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London calling
15.07.2006, 11:10 Uhr
Vor ein paar Tagen bekam ich meine Reiseunterlagen für London. Darin stand, dass ich bei einer "retired actress" wohnen werde. Ich hab' zur Sicherheit noch einmal nachgesehen: "Actress" heißt wirklich Schauspielerin.
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On chlorophyll's flash
14.08.2006, 17:28 Uhr
Meine Güte, ist ja alles so grün hier. Wenn ich aus London zurückgekehrt bin, werde ich mir als erstes Pflanzen kaufen. Hätte ich ja nicht gedacht, dass London so eine grüne Stadt ist und ich mich noch einmal so für Grünzeug begeistern kann. Dachte ja eigentlich, dass ich wegen meiner Kindheit in einem Dorf genug Parks und Gärten gesehen habe. Aber das ist wirklich hübsch anzuschauen, so grüne Pflanzen mit bunten Blumen und so.
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Expansion, jetzt!
24.08.2006, 15:04 Uhr
Wann kommt eigentlich lecker Prêt à manger nach Deutschland?
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