Im Buch auf Seite 123
26.02.2008, 14:23 Uhr
Ich habe im Internet ein Stöckchen aufgehoben, bei dem es um Bücher geht. Das sind die Regeln:
1. Nimm das nächste Buch in deiner Nähe mit mindestens 123 Seiten.
2. Schlage Seite 123 auf.
3. Suche den fünften Satz auf der Seite.
4. Poste die nächsten drei Sätze.
5. Wirf das Stöckchen an fünf Blogger weiter.
Das kam bei mir heraus:
"Staub und Ruß, Kot, Schlamm und Schmutz waren zu allen Zeiten ein Londoner Ärgernis. "Eine Stube mag noch so dicht verschlossen sein", schreibt John Evelyn im 17. Jahrhundert, "wenn die Menschen nach Hause kommen, finden sie dennoch alles darin mit einer gleichmäßig feinen, schwarzen Rußschicht überzogen." In demselben Jahrhundert schreibt ein venezianischer Geistlicher: "Zu allen Jahreszeiten stößt man hier auf einen weichen, übel riechenden Morast, so dass die Stadt nicht Londra [London] heißen sollte, sondern Lorda [Unflat]."
Aus: Peter Ackroyd: London. Die Biographie. München 2002
Ich werfe das Stöckchen weiter an Frau Feli , Katja , Madame Modeste , Moni und die Klugscheisserin .
- Tags
- buecher
- von Euch
- noch kein Kommentar
- Trackbacks (URL)
- noch kein Trackback
Verleser heute
30.11.2007, 11:36 Uhr
Statt "Hilde Domin" "Hilde Domain" lesen.
- Tags
- buecher
- von Euch
- noch kein Kommentar
- Trackbacks (URL)
- noch kein Trackback
Mein liebster erster Satz
07.11.2007, 09:48 Uhr
Gestern wurde "Ilsebill salzte nach" aus Günter Grass' Buch "Der Butt" zum schönsten ersten Satz der deutschsprachigen Literatur gekürt. Mein liebster Romananfang unter Einschluss der fremdsprachigen Literatur ist ja
"Urania. Ihre Eltern hatten ihr keinen großen Gefallen getan; ihr Name ließ an einen Planeten denken, an ein Mineral, an alles mögliche, nur nicht an die schlanke Frau mit feinen Gesichtszügen, glatter Haut und großen dunklen, ein wenig traurigen Augen, die ihr aus dem Spiegel entgegenblickte. Urania!" (Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbocks)
Auch sehr schön, weil symptomatisch für den Sound des ganzen Buches:
"Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen." (Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In Swanns Welt.)
Nachtrag 09.11.2007: Auch sehr beeindruckend, da ein sehr kräftiges, farbiges Bild entsteht:
"Zwei Tote lagen schwarz im Januar Brasiliens." (Christoph Ransmayr: Morbus Kitahara)
- Tags
- buecher zitat
- von Euch
- 5 Kommentare
- Trackbacks (URL)
- noch kein Trackback
HP7-Manie
23.07.2007, 14:55 Uhr
Heute morgen in der Londoner tube sieben Leute gesehen, die den neuen "Harry Potter" gelesen haben - zwei davon in der Erwachsenen-Version.
Nachtrag 26.07.2007: Nachdem die ersten Tage der HP7-Manie vergangen sind, laesst sich eigentlich nur eines sagen: In London liest wirklich jeder den neuen Harry Potter, und damit meine ich wirklich "Jeder". In der tube sassen neulich drei Leute nebeneinander, die den Roman auf den Knien liegen hatten. Und es lesen wirklich alle: Kinder natuerlich, erwachsene Frauen und Maenner in Anzug und Krawatte.
- Tags
- london calling buecher
- von Euch
- 1 Kommentar
- Trackbacks (URL)
- noch kein Trackback
An der Theke mit Ariadne
28.03.2007, 12:45 Uhr
Katjusha fragt: "Wie findest Du das Buch? Kathrins Corner antwortet:
Also, ich finde das neue und erste Buch von Ariadne von Schirach "Der Tanz um die Lust" eher so lala. Die ersten Kapitel fand ich gut: Es geht um die Pornographisierung der Gesellschaft und was sie mit uns Menschen macht, es geht um die Liebe der modernen Großstädter und deren Beziehungslosigkeit. Die ersten Kapitel sind sehr traurig - und leider auch sehr wahr. Wie von Schirach habe auch ich nie verstanden, warum sich manche Frauen T-Shirts anziehen, auf denen "Schlampe" steht, und diese unsäglichen Sex-Ratgeber in Frauenzeitschriften, die Sex irgendwo zwischen Hochleistungssport und Baukastensystem verorten, finde ich auch schrecklich.
Ob nun immer mehr selbst gedrehte Pornos ins Internet gestellt werden oder Dinge wie Internetanschlüsse mit einer attraktiven Frau beworben werden: Ja, wir leben in einer sexualisierten Gesellschaft. Frauen müssen immer wollen und Männer müssen immer können - und wer das Klassenziel nicht erreicht, der möge sich bitteschön bemühen und seinen Körper zumindest im Fitnessstudio der gesellschaftlichen Norm anpassen.
Das alles ist sehr richtig beobachtet und auch sehr traurig - auch wenn die Sprache bisweilen sehr, nun ja, direkt ist und eigentlich eher der Haltung entspricht, die kritisiert wird. Neu sind von Schirachs Erkenntnisse aber auch nicht. Trotz ihrer Kritik weiß sich aber auch die 28-jährige Autorin der erotischen Strategien zu bedienen und posiert für das Cover mit hübsch geschminktem, leicht geöffnetem und sinnlichem Mund. Noch irritierender fand ich allerdings ihr Namenskettchen.
Der zweite Teil des Buches rutscht allerdings zu sehr in eine fast belanglose Thekenplauderei ab. Inzwischen sind mit die Eisprinzessin, SusiPop, Flexter und Vince, die Freunde der Autorin, fast zu guten Bekannten geworden. Sie hängen auf Partys herum, sitzen beim Vietnamesen und trinken viel Vodka in Bars. Das alles findet - natürlich - vor allem in Berlin-Mitte und im Prenzlauer Berg statt. Viel Platz nimmt ein Mann namens Tim ein, der erobert werden will, und was er gesagt hat und wie er geguckt hat und mit welcher Frau er dann wie geredet hat.
Mir ist der Essay, eine Mischung aus Gesellschaftsanalyse und privater Partyplauderei, zu ungestüm, zu wuselig und zu inkonsequent. Es gibt viele Ausrufezeichen!! und die drei Punkte, die alles sagen aber auch alles verheimlichen sollen... Das Niveau bewegt sich zwischen Sätzen wie "Auf dem Klo kam ich wieder zu mir. Es war Zeit, einen doppelten Vodka zu trinken" und "Der französische Philosoph Baudrillard sagt dazu:". Das kommt immer ein bisschen plötzlich daher: Übrigens, ich hab auch Walter Benjamin gelesen.
"Der Tanz um die Lust" ist voller Assoziationen, vieler angefangener Gedanken und vieler eingestreuter Zitate von Wissenschaftlern. Aber durchgehalten wird keines von allen. Ob mir Dussmann wohl das Geld für das Buch zurückgibt - auch ohne Quittung?
- Tags
- buecher
- von Euch
- 3 Kommentare
- Trackbacks (URL)
- noch kein Trackback
Themen
berlin buecher das geschlecht fotos in eigener sache krimskrams linktipp london calling mediales modisches ortsgespraech persoenliches politisches promiblitzer ueber gott und die welt zitat
Twitter Updates
- Andere
- 13ter Shop
- Anke Gröner
- Arboretum
- Argh!
- Beetlebum
- Behindertenparkplatz
- Bildblog
- Blog Age
- Blog über den Verfall
- blog.tagesschau
- BlogWELT
- Cake and Pie
- Charlie Beckett
- Das hermetische Café
- Dummy-Blog
- Ego-Zentrale
- Elektrischer Reporter
- Feministing
- Fernsehlexikon
- Frag Frau Feli
- Fragmente
- Franziskript
- Gedankenträger
- Genderblog
- Hauck & Bauer
- Irgendwas ist ja immer
- Klugscheisserin
- London Leben
- Madame Modeste
- Mädchenblog
- Mädchenmannschaft
- Medienpiraten
- Medienrauschen
- Mek Wito
- Netzpolitik
- Neuro
- Nicht reden
- Plastikmädchen
- Riesenmaschine
- Schwadroneuse
- So wie als ob
- St. Burnster
- Stefan Niggemeier
- The Sartorialist
- Tristesse deluxe
- Vorspeisenplatte
- Wirres
- Wulff Morgenthaler
- Wurzeltod
- Xiaxue in Singapur