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Gewichtskontrolle mit "Bild"

05.01.2007, 17:42 Uhr

I

Es ist noch gar nicht lange her, da druckte die "Bild"-Zeitung einen Aufmacher, dessen Überschrift so ähnlich lautete wie "Hier tanzt Stephanie in ihr Leben zurück". Der Artikel handelte von der 14-jährigen Stephanie R. aus Dresden, die am 11. Januar 2006 von Mario M. wochenlang entführt sowie mehrfach missbraucht und vergewaltigt wurde. Das Bild zu dem Artikel zeigte eine fröhlich wirkende Stephanie und die Unterschrift zu dem Bild lautete ungefähr so: "Hier tanzt Stephanie, schlank, beim Abschlussball ihrer Tanzschule". Mir ist nicht so recht klar, warum die "Bild" es für wichtig hält, mitzuteilen, dass Stephanie "schlank" ist. Sollte der Leser etwa denken: "Klasse, trotz der schlimmen Zeit hat es Stephanie geschafft, schlank zu bleiben."?

II

Heute berichtet die "Bild" unter der Überschrift "Wie hat die Freiheit Natascha Kampusch verändert!" über die inzwischen 18-jährige Kampusch, die achteinhalb Jahre von Wolfgang Priklopil in einem Kellerverlies nahe Wien gefangengehalten wurde. "Boah, hat die Kampusch zugelegt" hätte die Überschrift vermutlich ehrlicherweise lauten müssen, denn die Hälfte des Artikels handelt von der Gewichtszunahme Kampuschs seit ihrer Flucht im August 2006. Zugegeben, sie ist wirklich ein bisschen rundlicher geworden und "Bild" versäumt es auch nicht, darauf hinzuweisen, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Entführung mehr wog als bei ihrer Flucht: "Am Tag ihrer Flucht wog sie 42 Kilogramm. Drei Kilo weniger als am Entführungstag 1998!"

Die "Bild" befragte denn auch sogleich einen Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie, Wassilios Fthenakis, über Kampuschs Gewichtszunahme. "Sie genießt im Moment ihre Freiheit. Die Freiheit, alles zu essen, was sie mag. Alle Leckereien zu probieren, auf die sie verzichten musste. Jahrelang. Jetzt schreibt ihr niemand mehr vor, was sie zu essen hat", erklärte er. Und der Psychologe Christian Lüdke machte sich auch gleich an die Deutung: "Über das Essen hat sie sich getröstet. Die Nahrung ist für sie wie ein Panzer."

III

Das Körpergewicht einer Frau ist also immer berichtenswert - als ob die beiden jungen Frauen nicht genug andere Sorgen hätten.

Kommentare (1)

Gender studies...
(Katjusha, 04.04.2007, 11:06 Uhr #)
... sind eben doch nützlich. Find ich interessant, diese Aufstellung! Wie Zeitungen über Frauen schreiben - hier eine wissenschaftliche Publikation zum Thema: http://www.linguistik-online.de/11_02/buehlmann.html

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