Evas Welt
11.09.2006, 20:30 Uhr
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass heute noch jemand ernsthaft behaupten würde, es liege in der Natur der Frau, zu Hause zu bleiben, Apfelkuchen zu backen und schöne Blumen aufzustellen. Nun aber doch: Die Journalistin und „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman hat ein Buch geschrieben. „Das Eva-Prinzip“ heißt das Werk und die darin vertretenen Thesen sind in etwa: Frauen bleiben zu Hause, Männer gehen hinaus und arbeiten. Frauen sollten früh Kinder bekommen und sich erst später der Karriere widmen. „Frauen sollten öfter einfach mal den Mund halten. Warum müssen wir immer alles mitbestimmen?“, fragte sie kürzlich in der „Bild am Sonntag“. Das alles ist strong tobacco und stammt von einer Frau, einer Verräterin in den eigenen Reihen. Man darf sich nicht vorstellen, wie groß der Aufschrei gewesen wäre, wenn das alles ein Mann gefordert hätte.
Ehrlich gesagt: Diese „besondere Veranlagung“ zur Hausarbeit, die Frauen laut Eva Herman besitzen sollen, habe ich bei mir noch nicht entdeckt. Ich hasse es, sauberzumachen und schiebe es soweit wie möglich vor mir her. Ich finde einen Tag im Büro weitaus netter als das Bad zu putzen und abzuwaschen. Es mag sein, dass Eva Herman die Dreifachbelastung als Nachrichten-Vorleserin, Talkmasterin und Mutter ausgelaugt hat. Und es mag auch sein, dass es Herman leid ist, möglicherweise noch immer das kleine Evchen sein zu müssen, das als Kind so schön Gedichte aufsagen konnte.
Nun meint aber Herman, dass es doch allen Frauen genau so gehen muss wie ihr. Dabei kann sie sich offenbar nicht vorstellen, dass es Frauen gibt, die schlicht und einfach Lust darauf haben, ihr Leben in die Hand zu nehmen und Dinge zu bewegen. Frauen engagieren sich nicht deshalb im Beruf, weil es jemand von ihnen verlangt, weil sie "verbissen" sind oder weil sie genauso "hart" sein wollen wie Männer. Sie wollen deshalb Karriere machen, weil sie genauso abenteuerlustig sind und mit genau derselben Herzenslust in die Welt hineingreifen wie Männer. Warum sollen nur Männer die interessanten Jobs bekommen? Auch eine Frau hat Lust, als Korrespondentin im Ausland spannende Erfahrungen zu machen, auch eine Frau findet es reizvoll, Recht zu sprechen, und auch eine Frau gibt gerne die Strategie eines Unternehmens vor.
Vielleicht gibt es ja auch den einen oder anderen Mann, der es ebenso unfair findet, wenn nur er das Geld heranschaffen muss und die Frau zu Hause die Beine hochlegt und den ganzen Tag nur Blumen arrangiert. Abgesehen davon können sich nur die wenigsten einen solchen Lebensentwurf finanziell leisten.
Es ist ja nicht so, dass Frauen heute überhaupt keine Karriere machen dürfen. Klar, Frauen dürfen viel arbeiten und fleißig sein. Aber bitte: Sie dürfen keinen Ärger machen und schon gar nicht nach der Macht greifen. Denn eines dürfen Frauen heute leider noch immer nicht: Sich mit den Männern die Welt teilen. Frauen dürfen dabei sein und mitarbeiten, sicher, aber eine Frau als Chefin? Wenn es darum geht, wem die anspruchsvolleren Aufgaben zugetraut werden und wer befördert wird, dann entscheidet man(n) sich doch meistens für den Geschlechtsgenossen. Wenn schon die Macht geteilt werden muss, dann bleibt sie wenigstens unter uns. It's a man's world.
Doch auch Frauen machen Fehler. Frauen sind zu ängstlich, bleiben zu gerne im Hintergrund und haben zu viel Angst davor, dass jemand ihre Lust auf Erfolg und Macht unsexy finden könnte. Frauen sollten viel öfter den Mund aufmachen. Aber das ist eine andere Geschichte.
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Kommentare (1)
im fernsehen
(Peter, 15.09.2006, 16:18 Uhr #)
trat Eva bei Beckmann auf. War eine grauenhafte Vorstellung und ich habe nach 30 Minuten wieder vor Ekel weggeschalten. Diese Frau sollte tatsächlich nicht so oft den Mund aufmachen. Dafür waren viele tolle Frauen in der Diskussionsrunde, die ordentlich contra gegeben haben ;)
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