Mein liebster erster Satz
07.11.2007, 09:48 Uhr
Gestern wurde "Ilsebill salzte nach" aus Günter Grass' Buch "Der Butt" zum schönsten ersten Satz der deutschsprachigen Literatur gekürt. Mein liebster Romananfang unter Einschluss der fremdsprachigen Literatur ist ja
"Urania. Ihre Eltern hatten ihr keinen großen Gefallen getan; ihr Name ließ an einen Planeten denken, an ein Mineral, an alles mögliche, nur nicht an die schlanke Frau mit feinen Gesichtszügen, glatter Haut und großen dunklen, ein wenig traurigen Augen, die ihr aus dem Spiegel entgegenblickte. Urania!" (Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbocks)
Auch sehr schön, weil symptomatisch für den Sound des ganzen Buches:
"Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen." (Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In Swanns Welt.)
Nachtrag 09.11.2007: Auch sehr beeindruckend, da ein sehr kräftiges, farbiges Bild entsteht:
"Zwei Tote lagen schwarz im Januar Brasiliens." (Christoph Ransmayr: Morbus Kitahara)
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Kommentare (5)
(, 07.11.2007, 20:56 Uhr #)
Ich habe ja ein Faible für Marias' Romananfänge:
Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe erfahren, daß eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte, den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gästen im Eßzimmer befand, ihr Herz suchte.
Niemand denkt je daran, daß er irgendwann eine Tote in den Armen halten könnte und daß er nicht mehr ihr Gesicht sehen wird, an dessen Namen er sich erinnert.
(arboretum, 07.11.2007, 20:57 Uhr #)
Äh, das war ein Kommentar von mir, arboretum.
Anfänge
(FrauFeli, 08.11.2007, 17:00 Uhr #)
Ha! Ich bin so ein Fan von Javier Marias! Und genau "Mein Herz so weiß" ist eins von meinen Lieblingsbüchern. (Was ja auch ein toller Titel ist.)
Ich müßte hier natürlich einen Anfang von Murakami beisteuern: "Als das Telefon klingelte, war ich in der Küche, wo ich einen Topf Spaghetti kochte und zu einer UKW-Übetragung der Ouvertüre von Rossinis Die diebische Elster pfiff, was die ideale Musik zum Pastakochen sein dürfte." Hach.
Auch wenn das Buch nicht Dein Ding ist..ich finds toll, mit Kocherei und dem komischen Mädchen im Liegestuhl und dem Kater. Und den Längen. ;)
(Frau Feli, 10.11.2007, 20:39 Uhr #)
"Ein kräftiges, farbiges Biild"? Hm. Aha. Klar, dass Du was mit kräftig schreibst. Hehe.
Kräftig. Ich find ja eher, grauslig. Aber das liegt wohl im Auge des Betrachters. Quasi. Soweit eine Leiche denn im Auge des Betrachters liegen kann.
(Mariana, 15.11.2007, 19:12 Uhr #)
Der erste Satz aus Ransmayrs "Morbus Kitahara" hat es auch mir angetan.
Toll finde ich auch Anfänge aus Hemingways Romanen. Zum Beispiel den ersten Satz aus "A Moveable Feast": "Then there was the bad weather."
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