kathrins corner

Schimmel am Pulli

04.08.2007, 13:56 Uhr

Es war eine ziemlich teure Gegend, in der sich M., der aus Kalkutta kam, eine Wohnung gemietet hatte. Seine Ein-Zimmer-Wohnung befand sich im Nordwesten Londons, nahe der Finchley Road. Rote Backsteinhaeuser reihten sich in den ruhigen Strassen aneinander, vor den Haeusern standen Autos der Luxus-Klasse, die Gaerten waren gepflegt und hinter den meisten Fenstern hingen weisse Gardinen; eine Gegend, die vor allem bei wohlhabenden Londonern mit Kindern beliebt war.

Die Wohnung sei in der Anzeige als "Luxus-Appartment" ausgeschrieben gewesen, erklaerte M.. Luxurioes war indes nur der Preis. Umgerechnet 300 Euro Miete zahlte M. pro Woche Miete, und Rechnungen, wie zum Beispiel fuer den Strom, waren damit noch nicht einmal abgeglichen.

Die Wohnung befand sich im Souterrain. Nur zwischen 11 Uhr morgens und 15 nachmittags kam genug Tageslicht in die Wohnung, dass man das Licht nicht anknipsen musste - und das auch nur im Sommer. M.s Wohnung war vor allem kalt: Durch den Fussboden zog es kalt herauf, und die Waesche, die wir gewaschen hatten, war auch nach drei Tagen noch nicht ganz trocken und begann bereits, schimmelig zu riechen. Die Kueche hatte kein Fenster, das Badezimmer nur ein kleines, aber zwei Abstellraeume gab es - immerhin. Fuer das viele Geld haette M. etwas besseres finden koennen, da waren wir anderen uns alle einig. Aber wie gesagt: eine "Luxus-Wohnung".

Ich wohnte nicht lange bei M.. Nach wenigen Tagen zog ich aus - ich hatte in der Zwischenzeit ein eigenes Zimmer gefunden. M. und ich haben uns seitdem aus den Augen verloren, doch das, was von M. noch eine Weile blieb, war der Geruch seiner Wohnung. Denn obwohl er in einem "Luxus"-Appartment wohnte, rochen meine Klamotten, die ich bei ihm gewaschen und getrocknet hatte, noch eine ganze Weile nach Schimmel.

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