kathrins corner

Wort zum Sonntag

23.04.2006, 20:48 Uhr

Nähere ich mich heute von hinten einem jungen Mann in der Tram und setze mich nichts ahnend neben ihn, tobt sofort ein Wortschwall über mir. Irgendwann erlöse Gott uns alle, sagt der Mann. Auch bei mir, da merke er ja sofort, dass ich eine besondere Verbindung zu Gott habe. Er redet dann viel von „Halleluja“ und Gott und tippt mit seinem Finger auf eine Seite seiner Bibel in seinem Schoß. Man könne bestimmt denken, er sei betrunken, sagt der Mann, aber dabei sei er doch nur wegen seines Glaubens an Gott trunken vor Glück. Er ist wirklich nicht betrunken, der junge Mann in seinem hellbraunen Anzug, der meine Augen durchpflügt, um auf den Grund meiner Seele zu gelangen. Bald könnten wir alle unsere Fesseln ablegen, sagt er. Früher, da sei doch was bei mir vorgefallen, ist er sich sicher. Er wünsche mir viel Glück bei meinem Studium, sagt er, und dann: Du studierst doch, oder? Ich: nee. Naja, aber Du studierst ja sicher das Leben, sagt er. Dann, an der Zionskirche, steigt er aus. Er wolle für mich beten, verabschiedet er sich.

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