kathrins corner

Nudelsoße, diesmal Bio

18.04.2006, 19:45 Uhr

Ich hatte mich lange geweigert, aber neulich beugte ich mich dem Druck meiner Freundinnen G., M. und I. und ging in einen Bioladen. Für mich war das eine Premiere: Nur in meiner Kindheit war ich manchmal mit meiner Oma in ein Reformhaus gegangen, wo sie sich Kieselerde und Bierhefetabletten gekauft hatte. Aber das war schon eine Weile her.

Noch immer verkörpern für mich Bioläden das Image von selbstgestrickten Wollpullovern, Jesuslatschen und selbstgeschrotetem Dinkel. Geht es nach meiner Vorstellung, kaufen dort nur Vertreter der penetrant-alternativen „Du, da können wir gerne drüber reden“-Fraktion ein, deren Männer Palästinensertücher tragen und deren Frauen sich nicht die Beine rasieren.

Ich schob mich also an den Holzregalen in dem Laden an der Schönhauser Allee vorbei, vorbei an Frauen, die unheimlich praktisch gekleidet waren. Hatten sie ein Kind, trugen sie es meist im Wickeltuch, hatten sie keins, trugen sie zumindest flache Schuhe. Den gelblich-grünen Tofu-Aufschnitt legte ich schnell wieder ins Regal, und zwischen Amaranth, Quinoa und Kamut überlegte ich, ob Nacktgerste etwas Unanständiges war. Bei den Schokoriegeln angekommen stellte ich mir vor, wie wohl ein Schokoriegel schmeckt, der „Rapunzel“ heißt. Das wollte ich mir lieber nicht vorstellen. Ich verließ schnell den Laden, in dem mir auch der leicht säuerliche Geruch etwas zu viel geworden war. Nur den Yogi-Tee, der wirklich lecker ist, nahm ich mit. Ich kaufte die Teebeutel und nicht die losen Teeblätter, das versteht sich von selbst.

Ein paar Tage später war ich bei R*ssm*nn. Die Bio-Produkte dort und auch die bei Pl*s habe ich trotz meiner Bio-Aversion schon oft gekauft. Vor allem die Honigwaffeln von R*ssm*nn sind wirklich klasse. Bei ihnen explodiert fast der Gaumen vor Süße, und auch eine bestimmte Sorte Schokoriegel kaufe ich dort inzwischen regelmäßig. „Gib Bioprodukten eine Chance“, dachte ich mir und schleppte zwei Gläser mit Bio-Nudelsoße an die Kasse. Zu Hause angekommen dann gleich Nudeln gekocht und Soße warm gemacht. Mit Verlaub: Die Soße schmeckte wie dreimal kompostiert.

Kommentare (2)

Für die Biotonne
(Frau Feli, 19.04.2006, 10:14 Uhr #)
Liebste Frau K.,
ich bekomme ja geradezu ein schlechtes Gewissen! Wo ich doch immer so den Mehrwert gesunder Kost propagiere! R.manns Tomatensoße hatte ich allerdings noch nicht im Selbstversuch getestet. Denn gerade bei Biofutter halte ich es ja für einen Riesenwitz und ein schlecht verschleiertes Zugeständnis an faule Köche, Fertignahrung anzubieten. Was kann schon gegen eine vollreife, würzig duftende Bio- Tomate an?? Das ist quasi die Übertomate! Zuallererst wollte ich Dir natürlich ganz herzlich zu Deinem wunderberliner Blog gratulieren, sieht schick aus! Ich muß in meinen unbedingt mal wieder was reinschreiben, aber das ist nicht so einfach, wenn man dann -zumindest vorübergehend- zur arbeitenden Klasse gehört, und blog- Schreibzeit nur dem armen unwissenden Chef (war grad nix zu tun..) abknapsen kann. Also: Mast- und Schotbruch, min Deern! :))

*seufz*,
(kathrins corner, 19.04.2006, 17:22 Uhr #)
bei den zwei letzten Worten wird mir ja richtig warm ums Herz

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